Die Medienberichte überschlagen sich: Ein Mann wurde vor der Küste Chiles von einem Buckelwal „verschluckt“.
Zwar steht in den Artikeln auch, dass der betroffene Kajakfahrer kurze Zeit wieder ausgespuckt wurde, doch ich finde es falsch den Ausdruck „verschlucken“ zu verwenden. Verschlucken heißt nämlich, dass etwas den Schlund passiert. Und das ist nicht geschehen.
Schlund ist viel zu eng
Das gibt nämlich die Anatomie eines Buckelwals gar nicht her.
Auch wenn es sich bei diesem Meeressäuger um einen Riesen handelt, ist sein Schlund, der vielleicht gerade mal so groß ist wie eine Frisbeescheibe, viel zu eng für eine solche Aktion. Durch ihn hindurch passen lediglich Krill (das sind winzige Krebstiere) und kleine Fische.
Außerdem haben Buckelwale keine Zähne, sondern Barten. Das sind lange lamellenartige Reusen, die vom Oberkiefer herabhängen.
Augen befinden sich an der Seite
Wahrscheinlich ist der Kajakfahrer unglücklicherweise in dem Moment ins Maul des Wals geraten, als dieser gerade einen Schwall aus Wasser und Nahrung aufgenommen hat.
Die Augen des Wals befinden sich an der Seite. Er sieht also nicht unbedingt, wer ihm da in die Quere kommt.
Manche Medien kommen ohne reißerischen Titel aus
Mir gefällt, dass wenigstens ein paar Medien eine andere – nicht so reißerische – Überschrift gewählt haben, wie zum Beispiel das ZDF. Dort heißt es „Buckelwal nimmt Kajakfahrer ins Maul“.